Die Festung Königstein – unbezwingbar?

Im Jahre 1848 durchfuhr ein Aufschrei ganz Königstein und wurde selbst in Dresden noch gehört.

Der Schornsteinfegergeselle Sebastian Abratzky hatte es geschafft, die bis zu diesem Zeitpunkt als unbezwingbar geltende Festung zu besteigen.

Die Wettiner gelangten in den Besitz des Felsens und bauten ihn zur Festung um. Viele Jahre wurde diese als Gefängnis genutzt, da sie als absolut unbezwingbar und ausbruchssicher galt. Johann Friedrich Böttcher fristete als Gefangener von August dem Starken sein Dasein auf der Burg und auch der König selbst flüchtete sich so manches Mal mit seiner Familie hinter die starken Mauern, um Angreifern zu entkommen. Umso mehr sorgte nun Abratzky für Aufsehen.

Doch wie kam es dazu?

Abratzky wurde 1829 als Sohn eines Schuhmachers in Oschatz geboren und wollte so gar nicht in die Fußstapfen seines Vaters treten. Also ergab sich seine Lehre als Schornsteinfeger, an welche sich, dem Brauch gehorchend, die Wanderschaft anschloss. So gelangte er 18-jährig nach Königstein.

Am Sonntag den 19.03.1848 entschließt er sich, die Festung zu besichtigen. Völlig mittellos, erhält er jedoch keinen Zutritt und so entscheidet er kurzerhand, den Tag mit dem Besteigen des Königsteins zu verbringen. Ganz ohne Kletterausrüstung macht er sich barfüßig daran, einen kaminartigen Felsspalt zu erklimmen. Schließlich hat er dies in seiner Ausbildung zum Schornsteinfeger erlernt. Als der Kamin immer enger wird und ihm die Kräfte zu schwinden drohen, erreicht er zu seiner eigenen Überraschung die überhängende Brustwehr. Auch diese bezwingt er mit letzter Kraft und purzelt völlig erschöpft den überraschten Wachen vor die Füße. Sofort wird Abratzky festgenommen. Seine Geschichte, über einen Kamin nach oben geklettert zu sein, glaubt man ihm anfangs nicht. Vermutet vielmehr Spionage, weswegen man ihn ca. zwei Wochen in Haft hält und mehrfach verhört. Allmählich atmet man auf. Es war doch nur ein unüberlegter Streich. Obwohl man versucht, das Geschehene zu vertuschen, ist der dreiste Schornsteinfegergeselle längst Stadtgespräch.

Abratzky nutzt seinen Ruhm und schlägt aus seiner Tat Kapital. Er veröffentlicht ein Buch, in dem er ausführlich über die Besteigung berichtet. Wir freuen uns darüber. Wäre doch sonst eine amüsante Anekdote im Dunkel der Zeit verschwunden.

Text: die-infoseiten.de